Rheinmetall entwaffnen !

7. September 2026 | Veröffentlicht von Peter Blaszyk, Keine Kommentare

Aktionstag in Köln am 5.9.2026

Wie im Vorjahr hatten Friedensaktivisten eine Aktionswoche v. 1.09.- 05.09. in Köln geplant. Mit vielen Workshops und Diskussionen. Der Höhepunkt der Aktionswoche war aber – wie im Vorjahr – die Abschlusskundgebung im Kölner Zentrum.

Zur Orientierung und Einstimmung unserer Leserinnen zitieren wir aber zuerst mal der Bericht aus der Kriegshetzerpresse (TAZ, 5.9.26) (und hoffen, für dieses lange Zitat keine Abmahnung zu bekommen):

„Der Demonstrationszug steht. Aus den Lautsprechern kommt eine Durchsage der Polizei: Aus einer Gruppe im hinteren Teil der Demo heraus seien Straftaten begangen worden, darunter der Einsatz von Pyrotechnik und Zwillen gegen Polizeikräfte. Außerdem kam es zwischen Polizei und Demonstrierenden mehrfach zu Zusammenstößen. Schließlich kesselt die Polizei den hinteren Teil ein. Auch zwei Wasserwerfer stehen bereit. Wer vorn steht, dürfe die Versammlung einzeln verlassen, heißt es. Als Demonstrationszug aber geht es zunächst nicht weiter.
Was als Höhepunkt einer sechstägigen Protestwoche durch Köln ziehen sollte, kommt erstmal zum Stillstand. Seit dem 1. September hat „Rheinmetall Entwaffnen“ sein Camp im Inneren Grüngürtel in Köln aufgeschlagen. Das linke antimilitaristische Bündnis protestiert gegen Krieg, Aufrüstung und Rüstungsindustrie. Köln ist als Standort bewusst gewählt, denn Rheinmetall sitzt im nahen Düsseldorf, das Verteidigungsministerium hat einen Sitz in Bonn, weitere Rüstungsunternehmen und militärische Einrichtungen liegen in der Region.
 Im Camp stehen Zelte und Pavillons um eine freie Fläche, die als Dorfplatz dient, daneben ein großes Zirkuszelt für zentrale Veranstaltungen. Nach Angaben von Pressesprecherin Camille Dietrich kamen zum Auftakt rund 500 Menschen, bis Freitag seien es etwa 1.500 gewesen. Mehr als 60 Workshops und Diskussionen standen während der Woche auf dem Programm.
Der Protest bleibt aber nicht im Grüngürtel. Am Donnerstag etwa blockieren rund 140 Aktivist die Zufahrt zur Bundeswehrkaserne in Köln-Longerich. Wenige Stunden später sieht der Protest auf dem Heumarkt anders aus. „Stell dir vor, es ist Krieg“, sagt eine Rednerin immer wieder. Um sie herum marschieren Ak­ti­vis­t:in­nen in militärischer Kleidung. Dann bleiben sie stehen, heben Gewehrattrappen aus Pappe und simulieren Schüsse. Durch diese kreative Protestaktion soll Krieg für einen Moment weniger abstrakt wirken.
Auch die Polizei hat sich nach eigenen Angaben seit Wochen auf Camp und Aktionswoche vorbereitet. Rund 1.000 auswärtige Kräfte unterstützen die Kölner Polizei, der Führungsstab ist rund um die Uhr besetzt. „Wir sind der Polizei ein Dorn im Auge, da wir uns die Stadt selbstbestimmt nehmen“, sagt Dietrich. Schon die Präsenz von Feldjägern am Dienstagmorgen wertet sie als Einschüchterungsversuch. Dazu kommen die Erfahrungen aus dem Vorjahr, als es bei den Protesten ebenfalls zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden kam.
Am Samstag kommen nach Angaben des WDR rund 3.000 Menschen zur Abschlussdemonstration am Hauptbahnhof; angemeldet waren 400. „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, ruft die Menge. Teilnehmende erzählen der taz, warum sie gekommen sind: Sie kritisieren die Gewinne der Rüstungsindustrie und sagen, weder sie noch ihre Kinder und Enkel sollten in einen Krieg ziehen müssen. Zugleich kritisieren Demonstrierende, dass mehr Geld in Aufrüstung fließe, während an anderer Stelle, besonders im sozialen Bereich, gekürzt werde. „Das ist Krieg – jeden Tag ein Femizid“, ruft die Menge. Gerade der Gewaltschutz spielt bei vielen Teilnehmenden eine große Rolle.
Doch je länger die Demonstration dauert, desto mehr rückt der Konflikt mit der Polizei in den Vordergrund. Eigentlich soll der Zug bis 19 Uhr durch die Innenstadt ziehen und anschließend zur Abschlusskundgebung ins Camp zurückkehren. Der vordere Teil kann am späten Nachmittag weiterziehen. Demonstrierende werfen den Einsatzkräften übermäßige Gewalt vor. Ein Sprecher des Camps berichtet von vielen Verletzten; genaue Zahlen liegen bis Redaktionsschluss nicht vor. Auch am Camp sei die Polizeipräsenz inzwischen verstärkt worden.“

— Und hier nun der Bericht unseres Korrespondeten Peter Blaszyk vom 05.09.2026 —

Rheinmetall entwaffnen (und Enteignen und „Friedenskonvertieren“)

Wie im Vorjahr hatten Friedensaktivisten eine Aktionswoche vom 1.09.- 05.09. in Köln geplant.
Mit vielen Workshops und Diskussionen. Der Höhepunkt der Aktionswoche war aber – wie im Vorjahr – die Abschlusskundgebung im Kölner Zentrum.
Der Bahnhofsvorplatz war Treffpunkt.
Aus Aachen waren u.A. die UfFuV´s (Unbelehrbare für Frieden und Völkerverständigung) vor Ort. Mit ihrem Sketch „Rekrutierungsbüro“ sorgten die UfFuV´s für eine Art „Vorprogramm“. Nach der üblichen Distanz wg. der martialischen Aufmachung (s. Bild, inkl. Radetzkimarsch als Einspieler) sorgten die Aktiven aus Aachen für Unterhaltung und Erkenntnis. Auch der schon mehrfach erfolgreiche Sketch mit Kardinal Ratzinger sorgt für viel Gelächter.

Selbst nach Einschätzung des WDR waren 3.000 Demonstranten vor Ort. Anwesende schätzten die Teilnehmerzahl auf ca. 4.000 Personen.
Das Polizeiaufgebot war erschreckend groß und ließ nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr Schlimmes befürchten. In 2025 hatte die Polizei den Demozug stundenlang festgehalten, einzelne Gruppen eingekesselt und dieses gesetzeswidrige Vorgehen mit dem Verbot von Holzlatten begründet. Innenminister Reul hatte unmittelbar nach dem Einsatz ein Fehlverhalten der Polizei eingeräumt.
Auch aktuell stand zu befürchten, dass die Polizei unverhältnismäßig destruktiv vorgehen würde. Aber offensichtlich waren die Anweisungen gemäßigter. Doch je länger die Demonstration dauerte, desto mehr rückt der Konflikt mit der Polizei in den Vordergrund. Demonstrierende werfen den Einsatzkräften übermäßige Gewalt vor. Teilnehmer berichten von vielen Verletzten; genaue Zahlen liegen bis Redaktionsschluss nicht vor.

Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft

Wie bereits 2025 war die Zusammensetzung der Demonstranten zumindest in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:

  • das Durchschnittalter könnte auf Mitte 20 geschätzt werden. Auf jeden Fall ist – im Gegensatz zu den bekannten Friedensdemos – die Teilnehmerstuktur deutlichst jünger
  • die Demo war von einem Orgateam klar strukturiert. Es wurden 6 Blöcke zum Demozug aufgerufen:
    Interventionisten, Internationalisten, Palästinasympathisanten, Feministinnen, Antimilitaristen, Antifaschisten;
    die offensichtlich notwendige/hilfreiche Blockbildung weist auf erfolgreiche Arbeit der Verfassungsschutzzecken hin. Allerdings bleibt erfreulich festzustellen, dass die aktuelle Kriegssituation und der offensichtliche Rechtsruck ein gemeinsames Auftreten dieser Gruppen ermöglichte.
  • Wir werden sehen, ob sich die gemeinsame Arbeit der politischen Linken verstetigt, oder ob die „divide et impera“ Strategie der Blockparteien erfolgreich bleibt.

Ach ja …

Es ist zu erwarten, dass die regionale Presse den beeindruckenden Demozug ignoriert. Dies ist bei der ausgegebenen Herausgeberstrategie jedenfalls zu erwarten.
Aber dafür gibt’s ja die kraz (zwar nicht aus Köln aber aus Aachen)

Peter Blaszyk

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