Protest gegen Atom-Müll-Lager auch in Luxemburg

14. Juni 2020 | Veröffentlicht von Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen / ws

Greenpeace Luxemburg mobilisiert vor der belgischen Botschaft

Erst nach der Aktion in Aachen gegen die Pläne zur Atom-Müll-Endlagerung ist der kraz bekannt geworden, dass auch in Luxemburg zeitgleich eine Aktion stattgefunden hat. Offenbar steht aber nicht nur Greenpeace-Luxembourg, sondern sogar die luxembourgische Umweltministerin auf der Seite der Proteste! Sie hat (laut DLF) eine Protestnote nach Belgien geschickt!
Dagegen ist die NRW-Regierung „peinlich“:  sie betont, sie wisse offiziell nichts von einer Endlagersuche!
(Update: [2] Atommüll auch in Japan!)

Der Greenpeace-Bericht

Aktivist*innen demonstrierten heute Morgen um 9:30 Uhr vor der belgischen Botschaft gegen die Endlagerung von Atommüll an der luxemburgischen Grenze. Sie forderten konkrete Maßnahmen zur Einstellung der Kernenergieerzeugung und gegen das von ONDRAF (der nationalen Stelle für radioaktive Abfälle und angereicherte spaltbare Materialien) vorgeschlagene Lagerungsprojekt.
Diese Aktion resultiert aus der inmitten einer Gesundheitskrise initiierten grenzüberschreitenden öffentlichen Konsultation [1] zur geologischen Lagerung belgischer radioaktiver Abfälle.

Vor der Botschaft

hielten sechs Aktivist*innen ein Banner mit der Botschaft „Enfouissement géologique des déchets radioactifs : c’est non” (deutsch: Nein zur geologischen Endlagerung radioaktiver Abfälle) und stellten symbolisch einige Atomfässer auf.
Am 12. Mai kündigte die Umweltministerin Carole Dieschbourg auf einer Pressekonferenz Belgiens Pläne an, seine radioaktiven Abfälle eventuell in geologischen Schichten an der luxemburgischen Grenze zu lagern. Die geologische Schicht eines der sieben zu prüfenden Projekte durchquert Luxemburg und die weiteren sechs sind weniger als 90 km vom Großherzogtum entfernt. Greenpeace bemängelt die Tatsache, dass ONDRAF dieses Projekt zur geologischen Lagerung von hochgradigen und langlebigen Abfällen vorschlägt, ohne mögliche objektive Alternativen zu präsentieren. Es fehlen nicht nur Informationen zur Durchführbarkeit und Sicherheit des vorgeschlagenen geologischen Endlagers, sondern ebenso Angaben über die langfristigen Kosten und Auswirkungen auf die Umwelt – einschließlich grenzüberschreitender Konsequenzen – eines solchen Projekts. Greenpeace äußerte ihre Bedenken bereits in einer gemeinsamen Stellungnahme des Nationalen Aktionskomitees gegen Nuklearkraft [2]. „Die Endlagerung radioaktiver Abfälle ist eine gefährliche Problemlösung. In diesen Tiefen ist es unmöglich, ein Austritt von radioaktivem Material zu handhaben. Bei Umsetzung des belgischen Projekts, könnte ein Unfall dieser Art den luxemburgischen Grundwasserspiegel kontaminieren und die Folgen für unser Land wären katastrophal.„

Atom-Müll-Endlager erst in 2100

Darüber hinaus verurteilt Greenpeace die Tatsache, dass ein möglicher geologischer Lagerort erst nach 2.100 vollständig funktionsfähig sein würde. Bis dahin müssen radioaktive Abfälle sicher gelagert und eine „vorübergehende“ Alternative schnellstmöglich ausgearbeitet werden. Roger Spautz ergänzt: „Um dies zu erreichen, ist es notwendig ein standfestes, transparentes und demokratisches Verfahren einzuleiten. Eine gründliche und unabhängige Bewertung dieser Forschungsarbeiten ist dringend erforderlich, ebenso wie die Debatte über etwaige Prioritäten sowie ein klares Budgets für die kommenden Jahre, um die Belastung dieser Abfälle für künftige Generationen so gering wie möglich zu halten.
Derzeit ist die Trockenlagerung in oberirdischen oder oberflächennahen Endlagern das kleinste Übel. Die Tatsache, dass fast alle Länder, die Atommüll produzieren, diese weiterhin lagern, ist ein Zeichen dafür, dass es für diesen gefährlichen Abfall praktisch keine Alternativen gibt.”
Die Umweltorganisation fordert die luxemburgische Regierung auf, Maßnahmen gegen das Projekt zur geologischen Lagerung für radioaktive Abfälle in Belgien nahe der luxemburgischen Grenze sowie gegen eine Verlängerung der Lebensdauer ihrer Reaktoren zu ergreifen.

Anmerkungen:

[1] Bis zum 13. Juni können Bürger*innen an der öffentlichen Konsultation zum Entwurf des ONDRAF-Plans für die langfristige Lagerung hochgradiger und / oder langlebiger radioaktiver Abfälle teilnehmen.
[2] Das Nationale Aktionskomitee gegen Atomkraft ist eine nationale luxemburgische Plattform, auf der folgende Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und wichtige politische Gruppen des Großherzogtums zusammenkommen: Mouvement Ecologique, Greenpeace, OGBL, FNCTTFEL-Landesverband, LSAP, déi gréng, Forum, ADR, déi jonk gréng, DP, FGFC, JSL – Jeunesses Socialistes Luxembourgeoises, Luxemburger Kommission Justitia et Pax, KPL, LCGB, Lëtzebuerger Guiden a Scouten, Fairtrade Lëtzebuerg asbl, déi Lénk, attac Luxembourg, Klima-Bündnis Lëtzebuerg, Eurosolar, Syprolux, FNCTTFEL-Jugend, natur&ëmwelt, Adrenalin-déi jonk ADR, Friddensinitiativ asbl, Association Luxembourgeoise de Médecine de l’Environnement (A.L.M.E.N.), CSV, Ligue CTF, Piratepartei.
[3] Passend zu diesen Meldungen aus unserer Region hier noch ein Bericht Japan:
„Stop the intentional discharge of radioactive waste-water from the Fukushima Daiichi Nuclear Power Station!” Urgent call for action:
I would like to ask you to support the following petition campaign to „Stop the intentional discharge of radioactive waste-water from the Fukushima Daiichi Nuclear Power Station!”
As a medical doctor and an anti-nuclear activist, I regularly visit Fukushima and support the people in the area affected by the nuclear accident.
The Japanese government and the Tokyo Electric Power Company (TEPCO) are rushing to decide on a plan to discharge a huge amount of radioactive waste-water containing a high concentration of tritium and other radioactive isotopes, produced at the melted cores of the Fukushima Daiichi Nuclear power station. They intend to dilute the waste-water with seawater by 500, then discharge it into the Pacific Ocean over the coming years. They are now rushing to decide to choose this option within a few months, while people are not able to go out to protest against the government and there is little media coverage on this issue, as a result of the emergency arising from the COVID-19 pandemic.
See the following article on the web-site of Abolition 2000. There is a link to the online-petition.

Please sign on it, as soon as possible, and also spread this information to your friend.