Dr. Martin Kloke kommentiert den kraz-Veranstaltungsbericht

5. Januar 2020 | Veröffentlicht von

Veröffentlichen eines Briefs von Dr. Martin Kloke

Er war der Referent der Veranstaltung „Linke und Antisemitismus: geht das zusammen?“ am 19.12.2019, zu der die kraz einen Bericht veröffentlicht hatte. Obwohl sein Brief voller falscher Unterstelllungen und Behauptungen ist, veröffentlichen wir ihn ohne Änderungen oder Korrekturen – und vorerst auch ohne Bewertung oder Kommentierung. Diese erscheinen in wenigen Tagen.
Der Brief selber wird Ende Januar im ursprünglichen Artikel integriert (unten angefügt) werden.

  1. Im Fokus des VHS-Vortrages am 19.12.2019 stand nicht der Nahostkonflikt, sondern ein systematisierter Lagebericht „Israel, die deutsche Linke und der Antisemitismus“ – mit foliengestützten Beispielen, die die Virulenz antisemitischer Ressentiments in Teilen der deutschen Linken in Geschichte und Gegenwart belegen. Dies geschah so differenziert wie möglich und so einfach wie nötig; dabei wurde auch auf relevante Akteure und Positionen in linken Diskursen aufmerksam gemacht, die sich antisemitischen Verirrungen widersetzen. Die Thesen des Abends spiegeln den Stand der Antisemitismusforschung wider – über antizionistische Varianten des Antisemitismus veröffentliche ich seit 30 Jahren in namhaften Wissenschafts- und Publikumsmedien.
  2. Einige Teilnehmer/innen hat es von Anfang an sichtlich gestört, ihrer Leidenschaft für fundamentale „Israelkritik“ überführt und damit zum Gegenstand einer kritischen Analyse zu werden. Nach ungefähr 20 Minuten wurde der Vortrag von einem etwa 12-stimmigen „Chor“ organisierter Israelhasser durch Geraune, Gelächter, Dazwischenreden und am Ende auch durch lautstarkes Pöbeln gestört. Auch Herr Dux, der als VHS-Repräsentant vertretungsweise in die Veranstaltung eingeführt hatte, war erkennbar bestürzt, als die Veranstaltung aus dem Ruder lief. Eine kritisch-sachliche Auseinandersetzung oder gar selbstkritische Reflexionen sollten offenbar unterbunden werden. Bedauerlich und zugleich bezeichnend ist, dass der kollektive Pöbelauftritt im o. g. Beschwerdebericht unerwähnt bleibt.
  3. 3.) Frau Rissmayer zitiert und berichtet in ihrem VHS-Brief unvollständig und verzerrt: Beispielsweise rückt sie die in der Antisemitismusforschung geläufige Metapher einer antisemitisch kontaminierten „kulturellen DNA“ in einen biologistischen Kontext und halluziniert im Zusammenhang mit der Kritik am Verschwörungsgerede eines Zuhörers über Israels vermeintliche Umtriebe in Syrien eine AfD-Nähe.
  4. Das Beutelsbacher Neutralitätsgebot rechtfertigt weder die systematische Dämonisierung und Delegitimierung Israels, des einzigen liberal-demokratischen Staates im Nahen Osten, noch das Anlegen doppelter Maßstäbe an den jüdischen Staat. Es wäre nicht nur grundgesetzwidrig, sondern auch konträr zu den wertegebundenen Intentionen des Beutelsbacher Konsens, Antisemitismus als eine legitime Position sagbar und diskursfähig zu machen. Vor dem Hintergrund der deutschen Verbrechen im Nationalsozialismus und angesichts der grundgesetzlich kodifizierten Unantastbarkeit der Menschenwürde ist Antisemitismus, in welchen Schattierungen auch immer, eine barbarische Haltung, die es präventiv-aufklärerisch, notfalls auch repressiv mit den Mitteln des Strafrechts, zu ächten gilt.
  5. Mag sein, dass die lokale Anti-Israel-Szene mit ihrem aggressiven Störverhalten ein Exempel statuieren wollte – mit dem Ziel, der VHS Aachen den Mut für die Fortsetzung ihrer antisemitismuskritischen Bildungsarbeit zu nehmen. Einem anwesenden Beobachter zufolge „wollte“ ein Zuhörer „sich wiederholt zu Wort melden und hob den rechten Arm. Es sah manchmal aus, als zeige er den Hitlergruß, was allerdings wirklich nur ein komischer Zufall war, optisch aber ebenso komischerweise irgendwie unfreiwillig passte.“ Die VHS Aachen wird sich hoffentlich weder von links noch von rechts einschüchtern lassen, sondern ihren zivilgesellschaftlichen Bildungsauftrag ernstnehmen und dem bedrohlichen Anstieg judenfeindlicher Worte und Taten in unserer Gesellschaft auch in Zukunft durch sachkundige Bildungsarbeit widerstehen.
  6. Eine Zuhörerin kam nach Ende der Veranstaltung auf mich zu und sagte: „Ich möchte mich für das ungebührliche Verhalten einiger Teilnehmer entschuldigen – nicht alle Aachener sind so …“ In einer längeren Mail vom 20.12.2019 wurde mir gegenüber beklagt, „dass auf der gestrigen Veranstaltung in Aachen Ihnen gegenüber ein bisweilen unverschämter und polemischer Tonfall angeschlagen wurde. Eine kontroverse Diskussion war zu erwarten, Pöbeleien habe ich allerdings in der VHS noch nie erlebt. (…) Eine politische Bildung, die das Thema Antisemitismus ernst nimmt, kann den Blick nicht nur nach rechts oder in die Vergangenheit richten. Sie haben das gestern (…) unter widrigen Bedingungen darlegen müssen. Ich danke Ihnen sehr für Ihre aufklärerische Tätigkeit! Nehmen Sie meine Zeilen doch bitte als Zeichen der Wertschätzung (…).“

gez. Dr. Martin Kloke, Berlin, 03.01.2020