Der 8. Mai 2022 in Aachen

12. Mai 2022 | Veröffentlicht von , 1 Kommentar

Zweierlei „Gedenken an Krieg“ an einem Tag

An diesem 8. Mai gab es zwei, eigentlich sogar drei Veranstaltungen:

  • Einmal war da ab 15 Uhr das Gedenken an den 77. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland,
  • Dann war es an diesem Tag aber auch unumgänglich, über den aktuellen Krieg in der Ukraine zu sprechen
  • Und vorher gab es eine Grüne Wahlveranstaltung, auf der Anna-Lena Baerbock auftrat und erneut für Waffenlieferung in die Ukraine plädierte.

Aber eines nach dem anderen:

I. Die Feier des Sieges 1945 über Nazi-Deutschland

Das Datum „8.Mai“ steht für fortschrittliche Menschen für die Erinnerung an einen mit Millionen Opfern schwer erkämpften Sieg gegen die deutschen Angriffskriege ab 1939. Damit wollte Deutschland Europa beherrschen, Menschen in der damalige UdSSR und anderen Staaten im Osten sollten versklavt werden und gleichzeitig hatte er zum Ziel, den „realen Sozialismus“ zu vernichten – den großen Versuch, eine bessere Welt für Menschen zu schaffen!

Bei strahlendem Wetter hatten sich knapp 90 TeilnehmerInnen am Elisenbrunnen versammelt, um diesen Sieg über den Nazifaschismus zu feiern. Das zentrale Motto lautete

Frieden in Europa ist nur MIT
und nicht GEGEN Russland möglich!

Aus den Erfahrungen Russlands in der Geschichte war allen gut nachvollziehbar, warum Russland sehr sensibel ist bei den Gefahren einer erneuten Einkreisung und eines erneuten Angriffs.
Dieser Konsens durchzog alle vier Reden am Elisenbrunnen auch bei dem

II. ZWEITEN, zentralen Thema des diesjährigen „8.Mai“ 2022 dem Krieg in der Ukraine.

In den Beiträgen gab es durchaus unterschiedliche Positionen bei der Bewertung des Kriegsbeginns:

  • Die einen haben diesen Krieg von vorneherein als völkerrechtswidrig abgelehnt.
  • Einige anderen hatten gehofft, dass der Krieg nur eine kurze und klar umrissene demonstrative Aktion seitens Russlands geworden wäre mit dem Zeichen: „Bis hierher und nicht weiter“. Da dieses Konzept Russland offenbar entglitten sei und jetzt dort eine unhaltbare Situation entstanden sei, müsse der Krieg umgehend beendet werden!.

Aber völliger Konsens über Kriegsursachen und die notwendigen Konsequenzen in allen Reden

  • über den seit Jahren ausgeübten Druck der NATO gegen Russland mit dem Mittel „Ukraine“
  • Die Forderung nach Beendigung des dortigen Krieges,
  • Völlige Ablehnung jedweder Waffenlieferungen in dieses Gebiet.
  • Der Wunsch für eine Verhandlungslösung mit der Hoffnung, dass die Ukraine ein neutraler Staat wird – und so eine stabile, friedliche Zukunft möglich wird.

DESHALB muss der Westen einen Verhandlungsfrieden zulassen
STATT immer weiter Benzin ins Feuer kippen.

Die gemeinsame Parole lautete:

Stoppt den Krieg, Verhandlungen JETZT

Vier Redner

  • Andrej Hunko, MdB von „Die LINKE“ betonte die völkerrechtswidrige Handlung Russlands, brachte aber auch viele Details, zur Art und Weise wie seitens der USA dieser „Europäische Krieg“ vorangetrieben wird. Er verwies u.a. auf einen sehenswerten und sehr wichtigen Videobeitrag seiner Genossin Sahra Wagenknecht, wo sie aufzeigt, wie in Ramstein (exterritoriales Gebiet der BRD!) eine US-Konferenz organisiert wurde, auf der Beschlüsse gefällt wurden, die Bundeskanzler Olaf Scholz dann nur noch „selber bestätigen“ durfte!
  • Markus Kirch von der „Freien Linken Aachen“ setzte den Ukraine-Krieg in ein Verhältnis zu den dutzenden Kriegen, die der Westen seit über 30 Jahren weltweit führt, die aber niemals so propagandistisch aufgeheizt wurden wie es heute geschieht!
  • Eingeladen war auch ein Aachener Genosse der „Kommunistische Organisation„. Er stellte den Krieg und seine Ursprünge in einer sehr klassisch-marxistischen und kämpferischen Weise dar. Für einige ältere ZuhörerInnen kamen da sicher Erinnerungen an die 70-er Jahre auf! Inhaltlich entsprach die Rede der KO-Position auf deren Homepage (…)
  • Zum Abschluss sprach Ansgar Klein von den „Aachenern für eine menschliche Zukunft“. Er brachte einen längeren historischen Exkurs zur Entstehungsgeschichte der Nato (Redetext ist hier nachzulesen) und ihrer Positionierung gegen Russland – und er organisierte eine gemeinsame Schweigeminute zum Gedenken aller Opfern dieses Krieges.

Von den Reden wird es einen Videomitschnitt geben [1].

Musik von Tschaikowsky und Zensur“

Schon 10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung wurde die 2. Sinfonie von Tschaikowsky über Lautsprecher gespielt. Mit dieser Sinfonie wollten die Veranstalter auf ein Beispiel der anti-russischen Hetze hinweisen: Im Mai hätte das „Junge Orchester NRW“ in Lindlar dieses Konzert proben und vorführen sollen.
Weil der Komponist Tschaikowsky aber nun mal ein „Russe“ ist – auch wenn er schon seit knapp 130 Jahren tot ist! – wurde dem Jugendorchester vom dortigen Rathaus untersagt, dieses Stück zu proben und zu spielen!

Von zwei Leuten der Gruppe Querdenken-241 gab es als Gesangsbeitrag zwei klassische Antikriegslieder: „Sag mir wo die Blumen sind“ (Joan Baez) und „Imagine“ (John Lennon).

Und dann gab es noch den Hinweis auf ein fast prophetisches Lied von Degenhardt (1997), dessen Text wir hier im Bild bringen, weil er so absolut passend zur aktuellen Propaganda-Situation bei diesem Krieg ist.

Es gab auch Zensur: Das Georgsbändchen [2]

Wie schon x-fach wurde auch auf dieser Veranstaltung das Transparent gezeigt, dass erstmals am 9.Mai 2019 in Moskau von einer Aachener Besuchergruppe auf dem dortigen „Marsch des unsterblichen Regiments, mitgeführt wurde. Das ist eine riesige Demo aus 1/2 -1 Mio Menschen. Alle tragen Schilder von Vorfahrten/Verwandten, die im 2. Weltkrieg gegen Nazideutschland gekämpft hatten.
Die Aachener waren damals von den Moskauer Demonstranten begeistert aufgenommen worden und das Banner wurde dabei mit vielen „roten Sternen“ und Georgsbändchen (siehe Wiki) verziert.

An diesem 8. Mai hatte die Aachener Polizei Fotos vom Transparent gemacht und dem Staatsschutz zugeschickt. Der hat die Bilder kontrolliert und dann per Telefon angeordnet, dass diese Georgsbändchen „strafrechtliche Ermittlungen“ nach sich ziehen, falls sie nicht umgehend abgenommen würden. [3]
Zur Vermeidung von Problemen haben die Veranstalter unter Protest dieser Forderung nachgegeben.

Die Frage nach Zukunftsaussichten für eine Friedensbewegung

Das sind nicht sehr rosig.
Trotzdem gibt es die Hoffnung, dass (auch) in Aachen eine Bewegung entstehen möge, die sich GEGEN das Aufrüstungsziel 2% BIP und die „100 Milliarden Militärfond“ usw. richtet. Ein Problem wird sein, die tiefen Spaltungen in den linken, politischen Strukturen zu überwinden, die die ‚Corona-Widersprüche‘ gerissen hat.

Eine weitere Möglichkeit wird die Karlspreisverleihung sein, wenn Baerbock erneut in AC ist. Da wird es, parallel zum Karlspreis eine Veranstaltung zu Julian ASSANGE geben, DEM GEFANGENEN der ach so moralisch guten EU! (siehe Link)

III. DIE GRÜNE „PRO-Waffenlieferungs-Kundgebung“

Außenministerin Annalena Baerbock war am 8.Mai nach Aachen gekommen, um für ihre Partei Wahlkampf zu machen – und natürlich auch um für Waffenlieferungen ins Kriegsgebiet zu werben. Dazu gab es einen ausführlichen Bericht in AN/AZ.

Es gab lautstarken Protest dagegen sowohl seitens des AntiKriegsbündnisses als auch der späteren BesucherInnen der o.g. Veranstaltung. Zusätzlich protestierte dort auch eine große Gruppe aus Leuten, die der kraz-Redaktion bisher nie in Aachen im Zusammenhang mit Anti-Kriegs-Protesten aufgefallen waren.

KEINE Stör-Abteilung bei der Forderung nach Waffenlieferungen ???

Was es dort aber NICHT gab, war irgendwelche kritischen Positionen (Schilder/Transparente) oder gar „Störungen gegen die Kriegstreiber“ seitens der Stör-Abteilung: NICHTS!
Wo sind die nur geblieben?
Dürfen die nicht?
Sind die ‚GRÜNE‘ geworden?
Die kraz rätselt und bittet um Mithilfe durch unsere LeserInnen.

IV. Und die unvermeidlichen Schmierereien bei Twitter

Erneut berichten wir in der kraz gerne über die letzten Schmierereien zum 8.Mai von Herrn Klarmann. Mögen sich die LeserInnen selber ein Bild machen …

Anmerkungen

[1] AachenDoku ist ein lokaler Telegrammkanal ( https://t.me/AachenDoku)
Sobald das Video vom 8.5. online ist, werden wir den passenden Link setzten.
[2] Das Georgsbändchen ist eine schwarz-orangene Stoffschleife. Sie hatte diverse – auch durchaus nationalistische – Bedeutungen gehabt. Heute wird sie aber eher als positive Identifikation mit „Russland“ gesehen.
[3] Die kraz wird die juristischen Infos nachliefern, sobald die Behörden sich geäußert haben.

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