Corona – nur ähnlich gefährlich wie Grippe?

25. März 2020 | Veröffentlicht von

aus Wikipedia

„Walters persönliche Meinungsseite“

Nach meinem letzten Artikel „Corona – was sinnvoll tun?“ gab es viel Kritik. Berichtigt war: der Text hätte als persönliche Meinung und nicht als die der kraz gekennzeichnet sein müssen. Das habe ich  hier und im letzten Artikel nachgeholt.

Aber die Kernfrage in der Diskussion bleibt:
Ist der Corona-Virus gefährlicher als die bisher bekannten Grippeviren?

Resume: ich bleibe bei meiner Einschätzung.
Corona übersteigt nicht wesentlich (<100%) die Gefahren der bisherigen Grippewellen.
Im Folgenden zähle ich die Punkte auf, die zur Klärung der Frage benötigt werden und die zu meiner Entscheidung geführt haben.

Seriöse Zahlen als notwendige Grundlage

a) Anzahl der Infizierten „Absolut“
Die Ermittlung dieser Anzahl hängt wesentlich ab von:

  • der Anzahl der getesteten Personen
  • und der Ausgangsprobe der getesteten Personen
  • wie die Testpersonen aus dem Durchschnitt der Bevölkerung/Region ausgewählt werden
    • eine wirklich zufällige Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung/Region
    • nur Verdachtsfälle (solche mit Symptomen)
    • nur Verdachtsfälle (wg. Kontakten)
    • nur Todesfälle

b) Anzahl der Infizierten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.
Diese Zahlen waren Anfangs gar nicht und sind auch immer noch rudimentär vorhanden. Entscheidend ist die völlige Unkenntnis des Anteils Infizierter in der Gesamtbevölkerung (1). Deshalb sind alle bisher genannten Prozentzahlen zu Infizierten und noch deutliche alle Letalitätszahlen unseriös!

Wenn 1000 Infizierte und 20 Tote gemeldet werden und daraus eine Todesrate von 2% geschlossen wird, wäre das dann Unsinn, wenn es in Wirklichkeit 10.000 Infizierte gäbe, wovon 9.000 nur (noch) nicht ermittelt wurden. Weil es dann nämlich eine Todesrate von nur 0,2% (statt 2%) gäbe. Und falls nur jeder 100ste Infizierte bei den CoronaTests identifiziert worden wäre, dann hätten wir sogar eine Letalitätsrate von nur 0,02%, usw. usf.
Das Beispiel zeigt die Unsinnigkeit der Angabe der Letalitätszahlen in den letzten Tagen aus Italien, Deutschland und anderen Ländern. Alles hängt von der Kenntnis der tatsächlichen Anzahl der Infizierten ab!

Theorie zum eigentlichen Krankheitsverlauf

Ich kenne keine Aussagen über den Vergleich beider Krankheitsverläufe (schwerer/leichter/anders) außer: „Grippe bleibt mehr im Rachenraum, Corona geht mehr in den Lungenbereich. Corona soll beide Lungenflügel angreifen, Grippe eher nur eine Lungenseite.“ Das würde für einen stärkeren Krankheitsverlauf bei Corona sprechen.

Theorie zur „Tödlichkeit von Corona“

Hier lautet die Kernfrage: gestorben „wegen-Corona“ oder „mit-Corona“?
Klar ist, dass fast alle Todesfälle bei Infizierten auftreten, die schon andere, schwere Erkrankungen hatten.
Hier wäre nur mit einer präzisen Definition eine korrekte Statistik der Corona-Todesfälle zu bekommen! Eigentlich sollten Erfahrungen aus den bisherigen Grippewellen helfen können. Ich kenne diese aber nicht.

Verfälschende Faktoren beim Vergleich von Todesraten

Bei einem Vergleich der Tödlichkeit einer Krankheit über die Zeit und Regionen ist einerseits die unterschiedliche fachliche Qualität der Behandlung zu berücksichtigen, ganz wesentlich aber auch die materiellen Randbedingungen der Krankenversorgung.
Für die Gesundheitsversorgung in Europa generell – aber insbesondere in Italien – wissen wir um erhebliche Kürzungen in dem Bereich. Wenn also die Anzahl der Notfall-Betten von einem Jahr auf das nächste halbiert wurde, dann ist nicht verwunderlich, dass bei gleicher Patientenanzahl während zweier vergleichbarer Krankheitswellen NACH dem Bettenabbau eine katastrophale Unterversorgung von Patienten stattfinden muss. Und dadurch ist dann auch ein Anstieg der Todesraten nur die Konsequenz davon.

Theorie zur Infektionsübertragung

Hier wird allgemein die Merkelsche These der Herdenimmunität akzeptiert. Auf Dauer werden sich 60-70% der Bevölkerung anstecken, d.h. man kann die Ansteckung nicht grundsätzlich vermeiden! Man kann aber durch entsprechende Isolationsmaßnahmen den Höhepunkt der Ansteckungswelle zeitlich strecken – und so die Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden.

Mögliche Strategien gegen die Epidemie

A. Gar nichts machen
Wie seit Jahrzehnten bei allen bisherigen Grippewellen

B. sanfte Quarantäne
Abgeleitet aus dem Merkelschen Vorschlag einer (unvermeidlichen) Herdenimmunität gibt es
• Schutzmaßnahmen für die vorgeschädigten Personengruppen
• und entsprechendes Hochfahren der Krankenhauskapazitäten.

C. beinharte Quarantäne
Das sind dann die aktuellen (und sich permanent steigernden) staatlichen Maßnahmen. Diese werden tatsächlich eine leichte Verlangsamung der Ansteckungsraten zur Folge haben. Sicher aber ist, dass das gleichzeitig viele „Kollateralschäden“ erzeugen muss!

Abwägung der Strategien aus medizinischer Sicht:

Je nachdem welche Theorie bei der Tödlichkeit von Corona angenommen wird, ergeben sich unterschiedliche Strategien.

  • Strategie A wählt, wer
    die Corona-Viren für etwa gleich gefährlich wie Grippe-Viren hält
  • Strategie B wählt, wer
    der Mekelschen Theorie einer (unvermeidlichen) Herdenimmunität anhängt UND von einer bis zu einer schlimmstenfalls 100% stärkeren Wirkung der Corona-Viren ausgeht.
  • Strategie C wählt, wer
    von einer deutlich über 100% stärkeren Wirkung der Corona-Viren ausgeht.

Abwägung der Konsequenzen der staatlichen Zwangsmaßnahmen

Die staatlichen Zwangsmaßnahmen werden einige wenige Leben retten – nämlich die, die bei einer Überlastung des Gesundheitssystem dann nicht mehr beatmet werden könnten.
Gleichzeitig sind die „seuchenpolitischen Maßnahmen“ aber eine Katastrophe für die unteren Einkommensgruppen.
Die einzigen, die das locker wegstecken können sind Rentner, Beamte, staatliche Lohnabhängige, wahrscheinlich auch die Stammbelegschaften großer Firmen und Berufssparten, die auch während der Quarantäne noch funktionieren (von „den Reichen“ sprechen wir mal nicht). Bei allen anderen wird es echte Probleme geben, vermutlich woanders zu Tausenden von Toten führen.

Bisher unerwähnte „Kollateralschäden“

Ich vermisse in der öffentlichen Diskussion einen Bezug zu den Menschen, die unter den aktuellen staatlichen Restriktionen wirklich materiell leiden. (Böse formuliert sind das offenbar nur die Kollateralschäden bei den „Seuchenbekämpfungsmaßnahmen“)

Wie viele Suizide wird es also aus ökonomischen Gründen geben?

  • Es besteht nachweislich ein klarer Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Suizid.
  • Was ist mit den prekär-beschäftigten und/oder Klein-Selbstständigen, wo viele ihre Geld-Reserven verlieren und danach vor einem Scherbenhaufen stehen?
  • Was ist mit den Millionen (unterdurchschnittlicher) Lohnabhängiger, die „gerade so“ über die Runden kommen und die jetzt brutal verarmen werden, oder zumindest heftigste Ängste davor erleben.
    Wie viel häusliche Gewalt (gegen Kinder/Frauen) wird durch dieses Aufeinanderhocken erzeugt?
  • Man stelle sich die Millionen von Menschen vor, die als Familien in räumlich beengten Wohnverhältnissen leben und die keinen Garten haben. Wie leben deren Kinder beim Ausgehverbot ihren Bewegungsdrang aus? Wie sieht die Betreuung der Kinder aus? Wie geht‘s denen nach drei Wochen im Haus?

Wie viele (alte) Menschen werden in den kommenden Wochen vereinsamen und Depressionen bekommen?

Ich kenne keine Zahlen dazu – weil ich sie nirgendwo seriös lesen kann. Aber ich bin sicher (ich „glaube“ also wieder mal nur …), dass das ganz große Zahlen sein werden.

Und diesen Schrecken soll man für die fragwürdige Aussage akzeptieren,
dass die staatlichen Zwangsmaßnahmen
„Menschenleben vor Corona“ schützen werden?

— Anhang und Anmerkungen —

Und zum Abschluss nochmals einige neue wichtige Verweise im Netz

  • [1] „Vielleicht 90% von Coronainfektionen unbemerkt!“ (20. März 2020)
    http://infekt.ch/2020/03/neues-verstaendnis-der-covid-19-epidemie/
  • COVID-19: Wo ist die Evidenz? (23.03.2020)
    https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19

    • Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz – weder zu COVID-19 selbst, noch zur Effektivität der derzeit ergriffenen Maßnahmen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass die COVID-19 Pandemie eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, und NPIs – trotz weitgehend fehlender Evidenz – das einzige sind, was getan werden kann, wenn man nicht einfach nur zusehen und hoffen will. Selbst wenn man von der günstigsten Annahme ausgeht, dass die CFR letztendlich deutlich unter 1% zu liegen kommt (vor allem aufgrund der Nichterfassung asymptomatischer und milder Fälle) und in erster Linie ältere Menschen und Menschen mit Komorbiditäten betroffen sind, so ist dennoch aufgrund der raschen Ausbreitung der Erkrankung mit einer hohen Anzahl von Toten zu rechnen.
  • „Ich halte diese Maßnahmen als Toxikologe oder als jemand, der sich mit Risikobewertung beschäftigt, als völlig unverhältnismäßig“.
    sagt wörtlich Prof. Dr. Stefan Hockertz (Immunologe und Toxikologe)

  • Virologin Mölling warnt vor Panikmache:
    Mit den Infektionszahlen steigen auch die Maßnahmen rund um das SARS-CoV-2 oder kurz Corona-Virus. Bundeskanzlerin Angela Merkel rät auf Sozialkontakte weitestgehend zu verzichten. Der Virologe Christian Drosten kündigte an, dass sich 60 bis 70 Prozent aller Deutschen infizieren könnten. Doch die Virologin Prof. Dr. Karin Mölling sagt, dass Corona kein schweres Killervirus ist! Die Panikmache sei das Problem.
    https://www.radioeins.de/programm/sendungen/die_profis/archivierte_sendungen/beitraege/corona-virus-kein-killervirus.html
  • Im Zeichen der Corona-Angst: von Susan Bonath
    Ein Virus hält die Welt in Schockstarre, die Politik schränkt massiv Grundrechte ein. Was ist wirklich dran an den Horrormeldungen? Und: Was können wir tun?
    https://megaphon.org/im-zeichen-der-corona-angst/
  • Deutschland Grippewelle: 165.000 Erkrankte – 265 Todesfälle (MDR-Wissen)
    Zwischen dem 29. Februar und dem 6. März (10. Meldewoche) haben Labore in Deutschland insgesamt 22.920 Neuinfektionen bestätigt. Im Vergleich zur Vorwoche ein Anstieg von 7,9 Prozent. Auch die Zahl der Arztbesuche mit Verdacht auf Grippe stieg an auf insgesamt 330.000.
    Seit Herbst erkrankten laut dem Wochenbericht etwa über 145.000 Menschen in Deutschland an der Grippe, 247 starben an den Folgen der Erkrankung. Etwa 16 Prozent aller Fälle wurden in Kliniken behandelt.
    https://www.mdr.de/wissen/grippe-erkaeltung-ansteckung-fieber-arztbesuch-sachsen-anhalt-thueringen-100.html