Behinderungen bei Anreise zur Demo in Düsseldorf

17. März 2021 | Veröffentlicht von

„1 Jahr Lockdown-Politik – Es reicht!“

Bild 1

Am 13. März gab es die Demonstration „1 Jahr Lockdown-Politik – Es reicht!“ in Düsseldorf zu auch mehrere Aachener Gruppen gefahren sind. Dabei gab es diverse Behinderungen seitens der Polizei, was so in den Medien nicht berichtet wurde. Dazu hat uns Dr. Ansgar Klein den folgenden persönliche Bericht mit der Bitte um Veröffentlichung geschickt. (und am 29.3. ein weiterer Nachtrag zu den Geschehnissen in Düsseldorf)

Eine Fahrt nach Düsseldorf – aber ohne zur Kundgebung kommen zu können

Aachen war am 13. März bei den Demonstrationen, die unter dem Motto „1 Jahr Lockdown-Politik – Es reicht!“ in allen Landeshauptstädten der Republik stattgefunden haben, stark vertreten..
Wir Aachener waren natürlich nach Düsseldorf gefahren, ca. 20 Personen per Auto und 10 Personen per Bahn. Allerdings hatten wir Bahnfahrer einige Hürden zu überwinden, die so hoch waren, dass wir den Kundgebungsplatz am Landtag gar nicht erreichten.

Erste Hürde

Leicht zu ertragen war die erste Hürde: fast 30 Minuten Verspätung des Zuges. Am Hauptbahnhof in Düsseldorf angekommen, sollte es dann schnell mit der Straßenbahn weiter gehen, doch da hatten wir die Rechnung ohne das Maskenregime gemacht. 4 von uns, die ein Maskenbefreiungsattest haben, also keine Masken trugen, wurden in der Straßenbahn denunziert und der Fahrer der Bahn weigerte sich, mit Nicht-Maskierten abzufahren.
Er rief unter Protest der allermeisten Fahrgäste die Polizei. Die rückte mit 3 Einsatzwagen und ca. 10 Uniformierten an und holte uns aus der Straßenbahn: Personalienfeststellung, Ungültigkeitserklärung unserer Atteste, Leibesvisitationen bei Zweien von uns, die keinen Personalausweis dabei hatten, Androhung von Strafanzeigen: Polizeistaat pur! gegen den unsere Proteste nichts ausrichteten.

Bild 2

Immerhin gab uns einer der Polizisten zwei Masken, zwei weitere wurden organisiert, so dass wir mit einer weiteren halben Stunde Verspätung unsere Reise per Straßenbahn fortsetzen konnten.

Zweite Hürde

Gegen 14 Uhr in der Nähe des ‚Platz des Landtages‘, dem Kundgebungsplatz, angekommen, dann die nächste Hürde: Polizeisperre! Der Kundgebungsplatz sei überfüllt, Abstandsregeln könnten nicht eingehalten werden … Bemühungen unsererseits, versuchte Anmeldung einer Spontandemo etc., fruchteten nicht; wir wurden nicht zur Kundgebung durchgelassen.

Doch unsere Fahrt nach Düsseldorf sollte nicht ganz vergebens sein.

Bild 3

Um 15 Uhr begann ganz in der Nähe vor dem Palais des Ministerpräsidenten eine weitere Kundgebung von ‚Corona-Rebellen‘. Zunächst waren die Aachener Bahnfahrer die größte Teilnehmergruppe (Foto 1)
Doch bald füllte sich der Platz mit Hunderten von Menschen, die z.T. von der Kundgebung am Landtag kamen, unter ihnen auch die große Aachener Autofahrer-Gruppe. Es herrschte eine Stimmung, die getragen war von friedlichem Protest und der Zuversicht, dass die Verantwortlichen für das Lockdown-Debakel bald das ihnen gebührende Los ereilen wird: (Fotos 2,3)
Immer wieder erschallte der Ruf: „Frieden, Freiheit, keine Diktatur!
Ein Teilnehmer beschrieb die Situation im Nachhinein so: „Die Atmosphäre mitten unter den vielen Menschen, die für Änderungen in unserem Staate sind, und den vielen Polizisten, die meinen, im Sinne des Staates handeln zu müssen, hat mich schon sehr bewegt! Und dann die Berichte in den Nachrichten, die anscheinend von einer ganz anderen Veranstaltung berichten, zu hören, verwundern mich doch sehr.“

Würselen, den 15.3. 2021, Dr. Ansgar Klein

— am 29.3. ein Nachtrag zu den Geschehnissen in Düsseldorf —

Die Aachener, die per Auto nach Düsseldorf gefahren waren, erreichten den Kundgebungsplatz noch vor 13 Uhr, also rechtzeitig, denn da die Kundgebung auf der Wiese hinter dem Landtag nur für 500 Teilnehmer genehmigt war, fing die Polizei, nachdem sie der Meinung war, dass sich nun 800 Teilnehmer dort befanden, an, die Kundgebung abzusperren. Nach der Kundgebung machte auch die ‚Autofahrer-Gruppe‘ ihre Erfahrungen mit der Polizei.

Um 15.00 sollte ein anscheinend genehmigter Aufzug losgehen.

Die Teilnehmer der Kundgebung begaben sich Richtung Rheinkniebrücke. Hier trafen sie mit den Menschen zusammen, die von der Polizei nicht auf den Kundgebungsplatz gelassen worden waren. Laut Polizei fanden sich hier ca. 2000 Menschen zusammen.
An der Brücke fanden noch kurze Reden statt. Die Polizei weigerte sich, den Aufmarsch losziehen zu lassen. Die Stimmung wurde immer angespannter bis sich die Menge schließlich doch spontan gegen 16 Uhr auf den Weg machte. Der Aufzug sollte auf der Rheinpromenade zunächst in Richtung Corneliusplatz gehen, wo die Polizei absperrte. Die Demonstranten wichen jedoch in Richtung Rheinufer aus und umgingen so die Polizeisperre.
Es gab allerdings auch eine Menge mutiger Demonstranten, die mit ruhiger Entschlossenheit die Polizeisperre, zu der auch eine Reiterstaffel gehörte, durchbrachen, das alles unter einer bedrohlichen Gewitterkulisse.
Das erinnerte an die Bilder von der Demonstration in Leipzig im November.
Alle Demonstranten spazierten in mehreren Zügen, die sich spontan aufteilten, durch die Düsseldorfer Innenstadt, skandierend, singend, auf Trommeln und Töpfe schlagend und von Musikboxen begleitet, die passend zum Wetter Lieder wie „Singin‘ in the Rain“ und „It‘s raining again“ abspielten. Zum Teil mussten dabei Mauern überklettert werden, wobei die Menschen sich gegenseitig halfen.

Die Demonstranten waren laut, aber sehr friedlich.

Ab und zu mussten die Demonstranten umkehren, weil die Polizei Straßen absperrte. Ein großer Teil der Demonstranten zog sogar über die Königsallee, wo mehrere (Luxus-)Fahrzeuge in dem Aufmarsch „strandeten“.

Dann jedoch wurde es unschön: eine Gruppe der Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit der Polizei (BFE) kesselte ungefähr 200 Demonstranten ein, indem sie eine kurze Straße von beiden Seiten absperrte. Das Vorgehen war typisch für diese Einheit, die sonst dafür da ist, sich mit Gewalttätigen und Hooligans auseinander zu setzen.
Wir konnten persönlich beobachten, wie mehrere völlig friedliche Demonstrationsteilnehmer, darunter viele ältere Frauen, brutal am Durchgehen gehindert wurden, so dass sie zum Teil sehr unsanft auf den Boden fielen. Laut unseren Informationen wurde glücklicherweise niemand ernsthaft verletzt.
Zusätzlich zur BFE sperrte noch eine Reiterstaffel den Zugang zur Straße ab. Trotz des rabiaten Vorgehens der Polizei blieben die Demonstranten absolut friedlich,

Die Aachener Gruppe, die zwar während des Marsches durch die Stadt nicht zusammen geblieben war, sich aber an diesem Punkt zufällig fast komplett wieder begegnete, war im Zentrum des Geschehens: während sich fast alle auf die andere Seite der Polizeisperre retten konnten, befand sich ein Teilnehmer der Gruppe im Kessel. Erst nach längeren Diskussionen mit den Polizisten, die teilweise sehr einseitig verliefen – wir sprachen die Polizisten an und wurden von ihnen immer wieder wortlos zur Seite geschubst -, durfte unser Gruppenmitglied den Kessel verlassen. Wir harrten fast zwei Stunden vom Regen durchnässt und frierend hier aus, bis die Polizei es erlaubte, dass die „Gefangenen“ die Straße zumindest peu à peu verlassen durften.

Das Demonstrationsgeschehen hatte sich zwischenzeitlich ziemlich gelegt, und wir machten uns auf den Weg zu unseren Autos. Auf dem Rückweg passierten wir wieder die Rheinkniebrücke, unter der sich ungefähr fünfzig bis sechzig übrig gebliebene Demonstranten gesammelt hatten. Man redete noch ein bisschen miteinander, die bekannte Ärztin Perin Dinekli, die im Zug mitgegangen war, sang ihr „Direktes Lied“. Polizisten, deren Dienst wohl vorbei war, kamen in Gruppen an der Brücke vorbei und ließen die Demonstranten, die sie kurz zuvor noch unsanft am Demonstrieren hindern wollten, unbehelligt.

Gewittersturm auf dem Heimweg

Wir machten uns auf den Heimweg und gerieten in einen Gewittersturm, den wir aber auch gut überstanden. Es war der irgendwie passende Abschluss für einen Tag, an dem wahrscheinlich ein Dammbruch für den Straßenprotest gegen die Corona-Maßnahmen in NRW stattgefunden hat.

Aachen, den 23.3. 2021, Claudia Sauder

(Anmerkung: Alle Überschriften durch kraz)

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