150-Jahrestag ‚Pariser Commune‘

19. März 2021 | Veröffentlicht von

In Aachen wurde das gefeiert! (update 2 Videos)

Nur 400 km westlich von Aachen begann 1871 an einem Samstag die Pariser Commune.
150 Jahre später feierte am 18.3. 2021 ein kleiner Kreis von „Freunde Sozialistischen Gesellschaften“ (FSG) diesen großartigen Anlauf für eine neue gerechte Gesellschaft.
Zur Feier dieses geschichtlichen Ereignisses waren knapp 30 Leute erschienen, zu der die FSG eingeladen [1] hatte. Auch vier Mitglieder der ´Antifa` nahmen an der Veranstaltung teil, allerdings nur als „Beobachter“, wie sich selbst bezeichneten. Bedauerlicherweise lehnten sie die Einladung ab, am Umtrunk teilzunehmen.

Die Szenische Lesung
Nach den einleitenden Worten des Moderators Wolfgang Weißhuhn wurde ein szenische Lesung mit Musik, Gesang und ein klein wenig Kostümierung aufgeführt. (siehe unten [2])
==> Hier das Video der Lesung … [3]

und Rede eines MdB
Anschließend richtete Andrej Hunko als MdB (Die LINKE) Grußworte an die Anwesenden. (.. das Video seiner Rede)
Er spannte den Bogen zwischen den damaligen Kämpfenden und der auch heute noch bestehenden Notwendigkeit von sozialen Kämpfen. Und er berichtete von seiner Beobachtung, dass auch heute die Herrschenden die  Erinnerung an die damaligen KämpferInnen vermeiden: Selbst an DIESEM Jahrestag hätten weder „Zeitzeichen“/WDR noch „Kalenderblatt“/DLF einen Hinweis auf diesen wichtigen Erinnerungstag gebracht!

Höhepunkt

Nach Ende beider Beiträge forderte der Moderator dann alle Anwesenden auf, sich die bereitstehenden und gefüllte Sektgläser zu nehmen und gemeinsam auf diese wichtige Ereignis anzustoßen. Zwar habe es viele und schreckliche Opfer gegeben, aber nur mit solchen Kämpfen könne eine andere Gesellschaft errungen werden. Und DAS müsse gefeiert werden!

Während die Gläschen mit alkoholfreiem („rosa“) für die Braven und „Crement de Loire“ für die Puristen ausgeschenkt wurde, plauschten die Anwesenden angeregt miteinander.
Dabei entstand die Idee, ob man nicht eine GEMEINSAME Reise zum Friedhof Père Lachaise nach Paris machen solle (die FSG werden’s organisieren) – und um 19 Uhr war die Feier dann beendet.

Anmerkung zur geringen Anzahl der BesucherInnen
Die Pariser Commune müsste eigentlich der Gründungskonsens ALLER linken Strömungen sein: von der Sozialdemokratie bis zu Kommunisten und Anarchisten. Wieso dann so wenig Leute? Dass die AN/AZ keine Veranstaltungsankündigung gebracht hat ist (leider) verständlich, aber aber die FSG hatte auch die Linkspartei und andere sozialistische Gruppen angeschrieben und kontaktiert. Erschienen sind jedoch ausschließlich Vertreter von MLPD und diejenigen Linkspartei-Mitglieder, die von den FSG persönlich angeschrieben wurden. Offenbar wurden also innerhalb der o.g. linken Organisationen keine Informationen an die Mitglieder weitergegeben! Wirklich schade!

— Anmerkungen —

[1] Einladungs-Flyer

.… Vor 150 Jahre hat „das ganze europäische Proletariat und alles, was noch ein Gefühl für Freiheit und Unabhängigkeit in der Brust trägt“, nach Paris geschaut, so der sozialdemokratische Reichsabgeordnete August Bebel am 25. Mai 1871. Dadurch, dass die gesamte Pariser Bürgerschaft die Waffen gegen die eigenen französischen Unterdrücker und die deutschen Eroberer richtete, konnte damals das Völkerschlachten kurzzeitig gestoppt werden. In nur wenigen Tagen organisierten Bürgerräte eine „neue Gesellschaft“:

    • Volksbewaffnung, auch der Frauen
    • Inbetriebnahme stillgelegter Fabriken
    • Linderung der unmittelbaren Not durch Festlegung der
    • Brotpreise, Beschlagnahmung leer stehender Wohnungen,
    • Aussetzung der Mieten für Arme
    • Bildung für alle Kinder
    • Abschaffung der Macht der Kirche

Friedrich Engels sagte am 20. Gedenktag der Kommune 1891 zum Bürgerschreck-Begriff Diktatur des Proletariats: „Seht euch die Pariser Kommune an. DAS war die Diktatur des Proletariats!“

Nach 72 Tagen wurde die Kommune von Paris blutig niedergeschlagen. Aber die Kommune war ein erster Anlauf für die Umsetzung sozialistischer Gesellschaftskonzepte.
Die Brutalität der Niederschlagung der Pariser Kommune macht jedoch auch deutlich, dass schon kleinste Ansätze von Vergesellschaftung des von allen produzierten Reichtums oder Überführung wichtiger Institutionen, wie das Gesundheits-, Bildungs- oder Finanzwesens, in staatliche Oberhoheit zum Aufheulen der herrschenden Klasse führt. – heute genauso wie damals!

Die Pariser Kommune zeigt uns, dass eine Bürgerschaft in der Lage ist, alle gesellschaftlichen Bedürfnisse und Notwendigkeiten selbst zu organisieren und ein Leben ohne kapitalistische Ausbeutung und Kriege zu ermöglichen.

Wir wollen uns an die damaligen KämpferInnen erinnern und ihren persönlichen Einsatz für eine gerechte Gesellschaft feiern. Wir laden euch dazu ein!

Feiert mit uns die mutigen KämpferInnen/GenossInnen der Pariser Commune: 18. März, 18 Uhr am Elisenbrunnen / Aachen
„Freunde Sozialistischer Gesellschaften“ (FSG-AC

[2] Szenische Lesung – Die Pariser Commune 18. März bis 28. Mai 1871

Mann: Friede den Hütten, Krieg den Palästen!
Frau: Für zwei Monate blickten die Arbeiter, kleinen Leute, Sozialisten und Kommunisten ganz Europas voller Hoffnung nach Paris, während die feudale und bürgerliche Welt verschreckt den Atem anhielt! (Plakat 1)
Es begann mit einem Krieg, dem Krieg 1870 zwischen Deutschland und Frankreich – in beiden Ländern hatte sich eine Industriebourgeoisie und ein Industrieproletariat herausgebildet, ähnlich wie in den anderen europäischen Staaten. Die neue Waffentechnik hatte es seit einigen Jahren möglich gemacht, viel mehr Soldaten als früher zu töten und in brutalster Weise zu verwunden.
Gleichzeitig boten die Armeen vor allem den armen Schichten ein Auskommen, weshalb z.B. viele Männer in die Pariser Nationalgarde gingen.
Deutschland besiegte Frankreich in der Schlacht von Sedan vernichtend.
300.000 französische Soldaten mitsamt ihrem Kaiser Napoleon III. gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Paris wird belagert. Aber die Pariser wollen nicht aufgeben, zumal sie ihre Nationalgarde und selbst Waffen haben, womit sie sich verteidigen könnten. Barrikaden werden gebaut.
Mann: So wird zunächst die Republik ausgerufen und Monsieur Adolphe Thiers setzt sich an die Spitze der „Regierung der nationalen Verteidigung“ mit der Aufgabe, Frankreich zu retten.
Aber: Thiers beginnt mit den Deutschen zu verhandeln. (Plakat 2)

Frau: Schaut euch das an!
Es reicht also nicht, unsere Männer nach der verlorenen Schlacht bei Sedan in Gefangenschaft und Zwangsarbeit für die Preußen zu schicken, nein! Nun sollen wir auch noch 500 Millionen Franc an diese deutschen Blutsauger abdrücken, also: Wir! Die Bürgerinnen und Bürger von Paris! Nicht etwa unsere Herren Generäle, Politiker oder Kapitalisten. Die haben sich doch schon verpisst, lassen uns allein mit der Belagerung. Und unser wunderbarer Président lässt die Preußen hier über die Champs Elysees marschieren. DIESEN Frieden wollen wir nicht, denn der heißt für uns: Weiter mit Ausbeutung, Hunger und Not! ABER wir waren schlau: Als sie die Kanonen holen wollten, haben WIR FRAUEN uns ihnen in den Weg gestellt und uns mit den Soldaten verbrüdert. Da war unser edle Monsieur Thiers aber baff!
Mann: Das war am 18. März!
Thiers und seine Minister flüchten nach Versailles und in Paris wird die Commune ausgerufen! Für den 26. März werden allgemeine Wahlen angesetzt.
Das Zentralkomitee der Nationalgarde rät den Bürgerinnen und Bürgern: (Plakat 3)
Frau: Vergesst nicht, dass diejenigen Menschen euch am besten dienen werden, die ihr aus eurer eigenen Mitte wählen werdet, die das gleiche Leben wie ihr führen, und die die gleichen Leiden ertragen wie ihr.
Mann: Hütet euch vor Leuten, die zu viel reden und vermeidet vom Schicksal Begünstigte, denn selten nur will derjenige, der ein Vermögen besitzt, im Arbeitenden seinen Bruder sehen.
Frau/Frau: Gut, jetzt sitzen da in UNSERER Regierung ja nicht gerade Leute von uns, unsere Männer aus den Fabriken, sondern diese Gebildeten, hm! Aber alles Leute, die für uns sind, die unsere Sache vertreten, das ist gut. UND: wir können sie jederzeit zurückpfeifen, wenn sie Unsinn machen.
Mann/Mann: UND: Wir haben die Nationalgarde hinter uns, die uns verteidigt…
Frau/Frau: Ja! Und denk mal an die vielen Verbesserungen, die wir in nur ein paar Tagen geschafft haben: keine Nachtarbeit mehr, die Löhne dürfen nicht gesenkt werden, einen Mietstopp haben sie eingeführt, feste Brotpreise…
Mann/Mann: …hey, wir nehmen die Fabriken unter unsere eigene Kontrolle, und leerstehende Wohnungen….
Frau/Frau: Unsere Kinder können endlich zur Schule – kostenlose Bildung für ALLE!

Mann: Und Schluss endlich mit dem Diktat der Kirche – haha, in den Kirchen halten wir jetzt unsere politischen Clubs ab! Jetzt taugen sie endlich zu was Gutem!
• Lied der Commune: In Erwägung (Brecht) –
Frau: Was forderte die Pariser Commune?
Eine Republik, in der die Rechte des Volkes und eine ungestörte und freie Entwicklung der Gesellschaft gesichert ist
Mann: Die absolute Autonomie der Kommune, die jedem Bürger die freie Ausübung seiner Anlagen und Fähigkeiten sichert
Frau: Permanente Anteilnahme der Bürger an den kommunalen Angelegenheiten durch freie Meinungsäußerung und die Verteidigung ihrer Interessen
Mann: Durchführung der Reformen, so wie sie von den Bürgern gewünscht werden und Schaffung der dazu notwendigen Institutionen
Frau: Nur DIESE Forderungen waren den preußischen Herren ein Dorn im Auge! (Plakat 4)

Bismarck/Mann: Mein Gott, Thiers, nun tun Sie doch mal was! Der Pöbel regiert in Ihrer Hauptstadt! Alle Gauner Europas sammeln sich bei Ihnen, das Chaos herrscht, Selbstverwaltung, Kommune! Ein rotes Tuch für mich. Machen Sie sie fertig, oder WIR erledigen das für Sie!
Thiers/Frau: Oui, oui, mon géneral! Wir haben alle Soldaten zusammengetrommelt, leider nur das, was übriggeblieben ist – SIE haben ja die meisten gefangen genommen – und jetzt….
Bismarck (unterbricht):
Ja, ja! Sie können ein paar zurückhaben! Aber was tun Sie sonst? Besser gefragt: Was HABEN Sie getan. Sie lassen diese Revoluzzer von ganz Europa in Ihr Land, Sie rufen ja SELBST die Republik aus! VOLKSherrschaft? Das ist ANARCHIE! WIE soll das Volk herrschen? Das Volk ist dumm und MUSS regiert
WERDEN! Schluss aus! Sie kriegen von uns Bataillone und dann machen Sie endlich Ihren Job und mähen Sie das Gesocks nieder!
Frau: Am 21. Mai wurde Paris von einer Übermacht der Versailler Truppen überfallen – unvorbereitet! Die Geschütze waren in schlechtem Zustand, es fehlte an Munition…..aber nicht an Kampfesgeist!

Mann: Pariser! Dem Kampf darf sich niemand entziehen! Denn es ist der Kampf der Zukunft gegen die Vergangenheit, der Freiheit gegen den Despotismus, der Gleichheit gegen das Monopol, der Brüderlichkeit gegen die Knechtschaft, der Solidarität der Völker gegen den Egoismus der Unterdrücker. Zu den Waffen!

Frau: Wie mit einem Schlage erhob sich die Stadt. Barrikaden entstanden, die Nationalgarde machte mobil. In allen Straßen tobte ein mörderischer Kampf, doch…eine Barrikade nach der anderen fiel, die Versailler antworteten mit grässlichem Gemetzel. Die Kommune legte Brände als Verteidigungsmittel, um die geraden Straßen zu versperren.
Mann: Am 25. Mai fiel das gesamt linke Seineufer in die Hände der Versailler. Die Menge der Gefangenen war so groß, dass man sie einzeln nicht mehr niedermetzeln konnte – sie wurden in Höfe und Kasernen getrieben und dort in Massen erschossen: Die Soldatenmeute war einem Blutrausch verfallen.
Am 27. Mai nahmen die Versailler den Friedhof Père-Lachaise ein, wo 147 Kommunarden hingerichtet wurden.
Am 28. Mai nach 8 Tagen, endete der furchtbare Kampf.
Frau: Ein Chronist rechnet mit einer Opferrate von insgesamt 111.000 Menschen. (Plakat 5)
Mann: Die Commune hat Fehler gemacht. Sie hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen. Sie hätte die Versailler jagen und vernichten müssen.
Frau: Ja, sie hat Fehler gemacht: Sie hätte die Bank von Frankreich verstaatlichen müssen, und sie war uneins in ihrer Selbstorganisation. Außerdem hatte sie viel zu wenig Zeit, und es war klar, dass sie keine Chance haben würde.
Mann: DOCH, sie HATTE eine historische Chance! Kannst du dir vorstellen, dass Menschen, die eine gerechtere Welt wollen und die historische Chance dazu haben, sagen: Ach nein, wir lassen das lieber, wir haben sowieso keine Chance?
Frau: Aber sie hatten sie halt nicht!
Mann: Aber das wussten sie erst später. Und klar: Die Arbeiterklasse hat danach lange Zeit gebraucht, um sich zu erholen – ich meine physisch! Aber mental ist dies im kollektiven Gedächtnis geblieben – so war z.B. die Oktoberrevolution 1917 danach erfolgreich!
(Die Internationale ……gesummt im Hintergrund)

Frau: 25.000 Menschen wurden in der Blutwoche massakriert; 3000 starben in Gefängnissen, 13.700 wurden verurteilt, viele davon auf eine südpazifische Strafinsel deportiert, 70.000 Familien verloren ihre Ernährer.
Gegen die Mitglieder der noch lebenden Kommune-Regierung gab es nur Todesurteile oder lebenslängliche Deportation. An 26 Kriegsgerichten wurde bis in den Juni 1872 abgeurteilt.
Mann: Durch das Massaker an der Commune rettete sich die französische Bourgeoisie davor, die ungeheuren Kosten des verlorenen Krieges zu bezahlen. Das war der Deal mit den Preußen. Zugleich statuierte sie an der internationalen Arbeiterklasse ein blutiges Beispiel, wie mit denjenigen verfahren wird, die die herrschenden Eigentums- und Machtverhältnisse umwälzen wollen.
Frau: Aber DAS hat die Menschen bis heute nicht daran gehindert, sich in revolutionären Bewegungen zu engagieren und Revolutionen durchzuführen.
Vive la Commune! (Plakat 6)

Zum Abschluß: der Song Venceremos!

(Text der Lesung: Eva David-Ballero von der Partei ‚Die LINKE‘)

[3] Die Videos wurden von ‚Aix -La-Chapelle News‚ erstellt und veröffentlicht

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