Starbucks, Sparbucks

5. Oktober 2013 | Veröffentlicht von Hannes Rader / ws, Keine Kommentare

Aktivisten verwirren Konsumenten und streuen Sand ins alltägliche Kapitalismusgetriebe

starbucksattacAachen, Hühnerdieb. Uhrenvergleich: Elfhundert. Die Operation beginnt: 10 Aktivisten präparieren ihre Kleidung und sind nun Mitarbeiter von Starbucks. In Zwei-Personen-Teams schwirren sie aus und fluten die Innenstadt mit Gutscheinen für Kaffee & Muffins. Diese nehmen die Passanten natürlich gerne an, viele fragen, ob sie mehrere haben dürfen, die Freude ist groß. Zeitgleich schleicht sich die Spezialeinheit ‚TNT‘ in die Filiale am Markt und platziert unauffällig Flyer & Gutscheine an der Theke und auf den Toiletten. Anschließend tarnen sie sich als gewöhnliche Kunden und beobachten das Unfassbare: Verwirrung, Chaos, Verzweiflung.

„Die sind nicht von uns!“

Fast 20 Minuten hatte der junge Mann in der Schlange gewartet. Endlich ist er an der Reihe und schiebt seinen Gutschein nun erwartungsfreudig über die Theke. „Die nehmen wir nicht an. Die sind nicht von uns“, entgegnet ihm die Verkäuferin knapp. Wie bitte? Was hatte die Frau hinter der Theke gesagt? Gerade hatte er diesen Gutschein von einer jungen Frau, vermutlich eine Studentin, die bei Starbucks ihr Bafög aufbessert, in die Hand gedrückt bekommen. „Gutschein für einen Latte Macchiato und einen Muffin“ stand darauf. Und jetzt sagt ihm die Verkäuferin, sie würde ihn nicht annehmen?

Verwirrt blickt er auf den Gutschein – erst jetzt sieht er, was dort wirklich steht: „Sparbucks“ statt „Starbucks“. Verzweifelt dreht er den Gutschein herum und beginnt den Text auf der Rückseite zu lesen:

Wir bei Starbucks haben in Deutschland seit 2005 nicht einen Euro Gewinnsteuer gezahlt, trotz bester Geschäfte. Dafür nutzen wir gerne die hiesige Infrastruktur, aber kostenfrei, denn unsere Gewinne verlagern wir in Steueroasen.

Das tut uns sehr leid. Als erste Entschädigung für Sie, die deutschen Steuerzahler, laden wir Sie zu einem Latte mit Muffin ein. Selbstverständlich versprechen wir, solche Steuervermeidungstricks künftig zu unterlassen – und die eingesparten Steuern samt Zinsen nachzuzahlen. Fragen Sie in unseren Filialen nach Details! Oder besuchen Sie uns auf Sparbucks.de

Geheimaktion: Gesamtkonzernsteuer

sparbucks2„Starbucks steht beispielhaft für zahlreiche weitere Konzerne, die vor allem durch ihre Steuertrickserei glänzen“, erklärt Thomas Woerpel von Attac Aachen. „Während normale Unternehmen in Deutschland rund 30% Steuern auf ihre Gewinne zahlen, schaffen es die „Global Player“ jedes Jahr, ihren Steueranteil auf ein oder zwei Prozent zudrücken. Egal ob Google, Apple, die Deutsche Bank oder Volkswagen. Alle können es und alle tun es. Das sind perfide Steuertricks, die heute gerne euphemistisch „Steuervermeidung“ oder „Steueroptimierung“ genannt werden, alles angeblich im Rahmen der Gesetze. Attac sagt: So darf es nicht weiter gehen. Deshalb fordern wir eine Gesamtkonzernsteuer und haben dafür ein detailliertes Konzept ausgearbeitet.“

Um auf dieses Konzept aufmerksam zumachen und gegen die Steuertricks der Großkonzerne zu protestieren, hat Attac Deutschland die heutige bundesweite Überraschungsaktion gestartet und fordert damit die Politik auf, endlich konsequent gegen die Steuertrickserei der Großkonzerne vorzugehen. In rund 20 Städten verteilten Aktivisten zehntausende fingierte Gutscheine sowie Flyer, die über die Steuertricks und ihre Folgen informieren und das Konzept der Gesamtkonzernsteuer vorstellen. Zusätzlich gibt es eine detailgetreu nachgeahmte Konzern-Webseite: unter www.sparbucks.de finden Interessierte alle wichtigen Informationen zu der Aktion.

„Kein Kommentar“

Weder der Aachener Filialleiter, noch die zentrale Pressestelle in München, waren auf Anfrage zu einer Stellungnahme bereit.

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