ENGIE veröffentlicht CountDown für das Ende von Tihange-2 und Doel-3!

19. Juli 2022 | Veröffentlicht von Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen (AAA), 1 Kommentar

Wird Tihange-2 wirklich in 2/2023 geschlossen?

Hatten bisher alle Vorurteile gelautet: „Die Belgier“ werden niemals ernst machen mit dem Schließen ihrer AKWs,
so gibt es jetzt sogar einen glasklaren Count-down zur Schließung!!
Was ist da los bei unseren Nachbarn?

Der Countdown ist eine eindeutiges Signal aus der Firmenzentrale von ENGIE, dass sie jetzt ihre beiden Risse-AKWs Doel-3 (Antwerpen) in 10/2022 und Tihange-2 (bei Lüttich) in 02/2023 tatsächlich endgültig abschalten werden.

Angekündigte Schließungen durch ENGIE

AKW-Doel (Foto von ENGIE)

Seit dem 15.7. gibt es wieder die völlig widersprüchliche Meldungen über die Laufzeitverlängerungen der belgischen AKWs. Hier einige Zitate [1]:

  • Grenzecho: „Engie wehrt sich gegen Laufzeitverlängerung von Tihange 2“ [1]
  • Rhein Pfalz: „… Engie … wird den Betrieb der Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 in den nächsten Monaten einstellen.“ [2]
  • BRF: „Regierung verlängert Hilfen – Tihange 2 soll länger laufen“ [3]
  • weitere Meldungen …. [4-6]

Daraus kann man ableiten, dass es heftigen Streit zwischen dem AKW-Betreiber ENGIE und der belgischen Regierung gibt. Die Interessengegensätze lauten:

  • Die Regierung will die Stromlieferung sicherstellen.
  • Die Betreiber wollen Geld verdienen, dabei aber keinesfalls in AKWs investieren, die „politisch schon verloren“ sind!

Und am besten lässt sich Geld mit den ’normalen AKWs“ (T1, T3, D, D2, D4) verdienen – insbesondere wenn der belgische Staat kräftig Geld dazu schießt. Und da ENGIE die beiden Risse-AKWs (T2 und D3) offenbar schon für verloren, gibt sie diese beiden konsequenterweise ökonomisch auf! Diese Interpretation muss man jedenfalls der offiziellen Website von ENGIE entnehmen.
Es gibt da terminlich erstaunlich knappe terminliche Festlegungen:

  • DOEL-3     schließt am 01.10.2022
  • Tihange-2 schließt am 01.02.2023

Das ist deshalb so überraschend, weil solch kurze Zeitspannen bis zur Abschaltung nur dann veröffentlicht werden, wenn die Kraftwerke WIRKLICH abgeschaltet werden sollen. Ansonsten wären alle Planungen für die Stromproduktion, Personal, Reparaturaufträge usw. Makulatur.

Zwar gibt es auch bei den anderen AKWs klare Abschalttermine, aber die sind noch ‚lange hin‘ und da kann ja noch viel „gedreht“ werden. Das erinnert an die gleiche Problematik in Deutschland, wo es bei den aktuellen Streitereien in der „Ampel“ um ein mögliches Weiterlaufen der drei letzten deutschen AKWs geht.

„Abschaltung von T-2 und D-3“: das Werk der Anti-AKW-Bewegung

AKW-Tihange (Foto von ENGIE)

Die Skandalisierung der Risse in den Reaktoren seit ca. 2014 hat sicher sehr viel bewegt. Einer der wichtigsten Sprüche innerhalb der PRO-Atom-Szene lautetet: „Atomenergie ist sinnvoll und vernünftig, aber DIESE beiden AKWs (T2 & D3) sind wirklich zu gefährlich für einen Weiterbetrieb, dieses Risiko können wir uns nicht leisten!“

Die Atomindustrie wird ganz sicher nicht zugeben wollen, dass die Abschaltung DIESER beiden Risse-AKWs ein Ergebnis der hiesigen Anti-Atombewegung ist. Sie KANN nicht wahrhaben wollen, dass WIR die Gefährlichkeit der Risse ins Bewusstsein der Bevölkerung in der Drei-Länder-Region gebracht haben. Die 50.000 Menschenkette in 2017 war EIN wichtiges Mittel dabei und wenn Tihange-2 und Doel-3 jetzt abgeschaltet werden, dann ist das das Resultat des Widerstandes und nicht Resultat der „Vorsicht“ der AKW-Betreiber.

Schön-Sprech

Schaut man in die Website von ENGIE, dann sieht man eine heile bunte Welt. Klar: die offiziellen Überschriften dienen dem Schönreden, aber dahinter stehen Fakten, die wir als Anti-AKW-Bewegung begleiten (und kontrollieren) wollen und müssen.

ENGIE sagt (Zitate):

„Stilllegung der Kernkraftwerke Doel und Tihange: ein industrielles Großprojekt, bei dem Sicherheit an erster Stelle steht | ENGIE Electrabel.

Stilllegung
Neben Errichtung und Betrieb gehört auch die Stilllegung zum Lebenszyklus eines Kernkraftwerks. Diese Phase umfasst alle administrativen und technischen Maßnahmen, die von der Vorbereitung der endgültigen Stilllegung der Anlage bis zur Bereitstellung des Geländes für eine neue industrielle Nutzung reichen.

Die Außerbetriebnahme
umfasst die definitive Stilllegung (DSL), der sich der Rückbau anschließt. Die DSL ist durch die Betriebsgenehmigung abgedeckt. Im Anschluss daran muss die FANC die Rückbaugenehmigung erteilen, sodass die Rückbauarbeiten einsetzen können. Mit dem Abriss und der Bodensanierung kann begonnen werden, sobald die Gebäude frei von Radioaktivität sind.

Definitive Stilllegung (DSL)
Der Zweck der definitiven Stilllegung ist die Vorbereitung der Anlage für den Rückbau
Die definitive Stilllegung des Kernkraftwerks beginnt, sobald der Reaktor endgültig abgeschaltet ist. Zweck dieser Phase ist es, alle Brennelemente und Gefahrstoffe aus den Anlagen zu entfernen. Die Abfälle, die während der DSL anfallen, werden am Standort selbst aufbereitet.

Zwischenlager
Die verbrauchten Brennelemente werden nach und nach in die Zwischenlager (SCG-SF² in Doel und DE-SF² in Tihange) verbracht.

Rückbau
Alle kerntechnischen und nicht-nuklearen Anlagen werden in sieben Stufen zurückgebaut …“

Aber was ist mit den Zwischenlagern in DOEL und TIHANGE?

Es gibt sie nicht! Bisher werden alle Brennelemente aus den beiden AKW-Anlagen ausschließlich in den Abklingbecken der Reaktoren gelagert. Das sind äußerst fragile Konstruktionen: wie große Schwimmbecken, aber nicht auf dem Boden sondern in der Höhe auf „Stelzen“ gebaut! Das ist KEINE seriöse „Zwischenlagerung“.

Aber zugestanden: ENGIE versucht mittlerweile, hier echte Zwischenlager zu errichten.

Und was ist mit dem belgischen Endlager?

In Belgien gibt es auch kein Endlager!
Wie es da weiter geht, steht völlig in den Sternen.

Es soll aber Verträge mit Frankreich geben, dass das dort „in Planung befindliche“ Endlager später auch durch belgischen Atommüll „mitgenutzt“ werden kann.
Erneut also viele Fragezeichen …

Perspektive für die Anti-AKW-Bewegung

Solche Erfolge wie das Abschalten eines (oder gar zweier!) AKWs muss gefeiert werden. Das gilt auch dann, wenn trotz dieser Abschaltung andere AKWs immer noch weiter laufen – oder können nur Rheinländer sooo denken?

Das Ende der beiden AKWs gaaanz groß feiern !

Es bieten sich drei Anlässe:

  • Abschaltung von Doel-3 am 1.10.22 in Antwerpen feiern
  • Abschaltung von Tihange-2 am 01.02.23 in Huey feiern
  • und NACH erfolgter Abschaltung beider AKWs ein Fest auf dem 3-LänderEck am 25.6.23 (einem Sonntag!), dem 6. Jahrestag der Menschenkette.

Die Anti-AKW-Bewegung wird das diskutieren und entscheiden!

——- Anmerkungen ——-

Seit dem 15.7. gab es die ersten Meldungen über das Ende von T2 & D3 (Einige Artikel sind leider hinter einer Bezahlschranke)

[1] Eupener Grenzecho: „Engie wehrt sich gegen Laufzeitverlängerung von Tihange 2

„Der Energiekonzern Engie-Electrabel wehrt sich gegen die von der Föderalregierung beabsichtigte Verlängerung der Laufzeit des Atommeilers Tihange …“

[2]  DIE RHEINPFALZ: „Die Betreiber selbst wollen abschalten – Belgien

„Der Energiekonzern Engie Electrabel wird den Betrieb der Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 in den nächsten Monaten einstellen. Die flämische …“

[3] BRF: „Energiekrise, Regierung verlängert Hilfen – Tihange 2 soll länger laufen“ (15.7.2022)

Das Kernkabinett der Föderalregierung hat sich darauf geeinigt, angesichts der weiter hohen Energiepreise die aktuellen Hilfen für die Bürger bis Ende des Jahres zu verlängern. Im Zuge eines so genannten Winterplans, durch den die Energieversorgung sichergestellt werden soll, möchte die Regierung auch die Laufzeit des Atomreaktors Tihange 2 verlängern.
Eigentlich soll Tihange 2 am 1. Februar vom Netz gehen. Jetzt soll die Laufzeit bis zum Ende des Winters verlängert werden. Energieministerin Tinne Van der Straeten hat die Prüfung dazu in Auftrag gegeben. „Das soll aber nur für diesen Winter gelten“, betonte die Ministerin auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag in Brüssel.
Auch Wartungsarbeiten an Atomreaktoren im Winter will die Regierung verbieten, um die Stromproduktion durchgängig zu garantieren. Ziel ist es, auf jeden Fall genug Energie zu haben, um über den Winter hinweg solidarisch mit den europäischen Nachbarländern zu sein, vor allem mit Frankreich und Deutschland. Belgien allein werde genug Energie haben, um sicher über den Winter zu kommen, sagte Alexander De Croo.

[4] belgieninfo.net: Die Laufzeit der zwei jüngsten der insgesamt sieben Atommeiler im Land, Doel 4 und Tihange 3, hatte die belgische Regierung bereits bis Ende 2035 verlängert

Eigentlich war seit 2003 gesetzlich festgelegt, bis Herbst 2025 schrittweise, aber endgültig aus der Atomkraft auszusteigen. Nun sollen die zwei jüngsten der insgesamt sieben Atommeiler im Land, Doel 4 bei Antwerpen und Tihange 3 unweit von Lüttich, die beide 1985 in Betrieb gegangen sind, bis Ende 2035 am Netz bleiben. „Wir entscheiden uns für Sicherheit in unsicheren Zeiten“, sagte Premierminister Alexander De Croo nach den Regierungsverhandlungen am 18. März.

Kurskorrektur in der belgischen Energiepolitik

Die grüne Energieministerin in der Sieben-Parteien-Regierungskoalition, Tinne Van der Straeten, musste ihren Plan aufgeben, bis 2025 alle Atommeiler abzuschalten und durch subventionierte Gaskraftwerke zu ersetzen. Der Krieg in der Ukraine hatte die Gasabhängigkeit als Problem ganz oben auf die politische Tagesordnung gesetzt, so dass sich auch die Grünen dem jetzt vereinbarten Kompromiss nicht verschließen konnten, der neben der Laufzeitverlängerung auch einen Schub bei den Erneuerbaren Energien vorsieht.

[5] flanderninfo.be:  Regierung schnürt Energiepaket, um Belgien über den Winter zu bringen

Die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten (flämische Grünen, Groen) will den Atomreaktor Tihange 2 länger als geplant in Betrieb halten. Das ist eine der Maßnahmen aus dem Winterplan der Bundesregierung, mit dem sie die Energieversorgung im nächsten Winter sicherstellen will. Die belgische Energieversorgung ist relativ sicher, aber Deutschland und Frankreich könnten Probleme bekommen. In diesem Fall will Belgien helfen können.

[6] Energate Messenger (Deutsches Fachmedium über die aktuellen Entwicklungen im Energiemarkt): „Belgien will Frankreich und Deutschland in der Gaskrise helfen

 

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