Ein ganz besonderer 1. Mai in Aachen

1. Mai 2020 | Veröffentlicht von

… und eine sehr spezielle Art zu feiern

Es gab 2020 also doch eine 1.Mai Veranstaltung in Aachen!
Nachdem der DGB seine 1.Mai-Veranstaltung auf der Strasse abgekündigt hatte [1] um diese als Lifestream ins virtuelle Netz zu verlegen, hatte es mehrere Anläufe gegeben, doch noch eine „analoge“ 1.Mai-Kundgebung zu gestalten. U.a. hatte die DKP eine Anmeldung versucht und dabei 50-80 TeilnehmerInnen angekündigt. Wg. dieser „zu hohen“ Anzahl wurde diese nicht „genehmigt“!?! [2]
Schließlich hatten SAV, SOL und Linksjugend/Solid die heutige Kundgebung mit der „passenden Teilnehmerzahl 20“ erfolgreich anmelden können.
20 Leute waren „erlaubt“. In einem großen Kreis um den Lautsprecher waren es dann doch etwa 30 Leute geworden, die bei strahlendem Wetter vor dem Rathaus in Aachen standen. Die anwesenden „Ordnungshüter“ schritten nicht ein! Der Slogan der Kundgebung lautete:

„Solidarisch ist man nicht alleine – Eure Krise zahlen wir nicht!“

Diese Veranstaltung war nicht öffentlich beworben worden. Insofern war größtenteils nur das engere Umfeld aus den o.g. Organisationen anwesend. Von bekannten Gewerkschaftlern war nur Norbert Mainz anwesend, aber ohne zu sprechen.
Es gab eine Reihe von Beiträgen junger GenossInnen, die allesamt sehr kämpferisch waren. Beklagt wurden allerseits die Ungerechtigkeiten, wie sich das große Kapital auch in der aktuellen Krise „bedient“. Alle forderten vehement eine gerechte Lastenverteilung und Verantwortungsübernahmen. Beim Thema Kurzarbeitergeld gab es die Kritik, dass dieses von den Lohnabhängigen SELBER (über die Sozialversicherungsbeiträge) bezahlt wird. Stattdessen forderte Marc Treude „100 Prozent Kurzarbeitergeld durch eine 10-prozentige Abgabe auf alle großen Vermögen“ zu finanzieren!

Sehr optimistischer Kundgebungs-Titel!

Sehr optimistisch und mutig klang der Kundgebungs-Slogan „Wir zahlen nicht für Eure [Kapital] Krise“!
Leider gab es keinen Redebeitrag der beschrieb, WIE diese Forderung umgesetzt werden könnte. Wie kann verhindert werden, dass letztendlich sehr wohl die Arbeiterklasse – und eben NICHT das Kapital – die Krisenkosten bezahlen wird? [2]
Solch eine Behauptung aufzustellen – ohne ernsthafte Aussichten auf einen Erfolg – verbreitet Illusionen und dient sicher nicht der Klarheit!
Anwesend war auch der MdB Andrej Hunko (Partei die LINKE). Er sprach ein Grußwort an die  Anwesenden und drückte einen Dank aus, dass diese Kundgebung die Tradition der öffentlichen 1.Mai-Kundgebungen gewahrt habe.
Erst in der Abschlussrede von Betriebsrat Marc Treude kam die spezielle Rolle des DGB zur Sprache. Treude berichtete von einer Kontroverse mit dem DGB Vorsitzenden Ralf Wölk. Dieser hatte den  Veranstaltern angekündigt, dass er weder zur (aktuellen) Kundgebung kommen – noch einen (erbetene) Redebeitrag liefern würde. Seine Begründung war, dass unter dem vom Veranstalter „gewählten Motto der DGB und seine Gewerkschaften bereits bundesweit eine Online-Veranstaltung organisiert“ hätte. Er halte es daher nicht für „sonderlich solidarisch, parallel zu der Veranstaltung, auf die sich alle DGB-Gewerkschaften verständigt haben … eine konkurrierende Veranstaltung durchzuführen. „

Zum Anschluss erklang – stark gedämpft durch die von allen getragenen Mund/Nasenmasken –  ein mehrfaches „Hoch auf die Internationale Solidarität!“

Nachtrag am 4.Mai: Bis heute gab es in den AN/AZ keinerlei Infos zu dieser Kundgebung!

 

[1]  „1. Mai 2020: „Solidarisch ist man nicht alleine“! DGB feiert 1. Mai 2020 im Netz:
https://www.dgb.de/presse/++co++c5bc90bc-8b81-11ea-a73b-52540088cada

[2] Kommentar kraz: Sehr praktisch, dass für so etwas die neuen Seuchenschutzbestimmungen vorgeschoben werden können!

[3] Anmerkung kraz:
Alle staatliche Stützungsmaßnahmen der Wirtschaftsunternehmen basieren letztlich auf Kreditvergabe durch den Staat bzw. einer Eigenverschuldung des Staates, d.h diejenigen die mit ihrer Arbeit den Staatshaushalt finanzieren, werden auch diese Schulden (und deren Zinsen) zahlen müssen!